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ALTERSBEDINGTE MAKULADEGENERATION (AMD)

Die Altersbedingte Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Netzhaut, bei der die nur einen Millimeter große Stelle des schärfsten Sehens massiv beschädigt ist. Dieser Bereich heißt „gelber Fleck“ oder Makula – daher auch der Krankheitsname. Neueste Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen es, der AMD aktiv vorzubeugen und sie gegebenenfalls im Verlauf zu mildern.

Der neue (Januar 2013) Patienten Ratgeber steht Ihnen hier zum download zur Verfügung.

DAS KRANKHEITSBILD

Symptome
Die Altersbedingte Makuladegeneration ist die schmerzlose, fortschreitende Veränderung der Sehfähigkeit im zentralen Gesichtsfeld. Bei Betroffenen taucht in der Mitte des Gesichtsfeldes ein verschwommener Fleck auf, der allmählich größer wird. Alltagsbeschäftigungen wie Lesen, Fernsehen, Autofahren oder das Erkennen von Gesichtern werden damit immer weniger möglich. Kontraste werden nicht mehr so scharf wahrgenommen und Farben schlechter erkannt, gerade Linien erscheinen krumm und Konturen verzerrt. Im fortgeschrittenen Stadium sind nur noch schemenhafte Umrisse erkennbar.
Es wird die „trockene“ und die  „feuchte“ Form unterschieden.

Ursachen
Bei der trockenen AMD kommt es u. a. aufgrund von freien Sauerstoffradikalen und schlechter Mikrozirkulation über Jahre hinweg zum Verlust von lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut.
Bei der feuchten AMD wachsen krankhafte Blutgefäße in die Netzhaut ein und wirken dort wie eine Isolierschicht, sodass diese nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.

Aktuelle Daten zur Makuladegeneration

Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit an AMD erkrankt.

Etwa 20 Prozent der 65- bis 74-Jährigen und 35 Prozent der 75- bis 84-Jährigen haben die trockene Form der AMD.

10 bis 15 Prozent der AMD- Patienten haben die feuchte Form der Erkrankung. Jährlich kommen etwa 50 000 neue Patienten hinzu.

Bei Menschen über 60 Jahre ist AMD die häufigste Ursache für die Altersblindheit. In Deutschland erblinden jährlich etwa 5000 Menschen wegen einer zu spät erkannten feuchten AMD.

Nur 14 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Makula-Degeneration etwas anfangen und ihn einer Augenkrankheit zuordnen, obwohl AMD inzwischen eine Volkskrankheit ist.

25 bis 30 Millionen Menschen weltweit sind nach Schätzungen der UN an AMD erkrankt.

Verdreifachen wird sich diese Zahl wohl innerhalb der nächsten 30 bis 40 Jahre. Davon kann man wegen des demografischen Wandels ausgehen. (ug)

 

DIE EMPFOHLENE VORSORGE

Früherkennung ist bei der AMD sehr wichtig. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Rauchen und Bluthochdruck.
Um festzustellen, ob an der Makula Ihrer Augen bereits Schäden vorliegen, sollten Sie die Vorsorgeuntersuchung EM.ERA (Evidenzbasierte RisikoAnalyse) oder einen Selbsttest durchführen: den Amsler-Gitter-Test.

Während EM.ERA (Evidenzbasierte RisikoAnalyse) den status quo eindeutig darstellt und die Frühformen aufzeigt, wirkt der Amslertest erst dann, wenn schon deutliche Veränderungen bestehen. Ab einem Alter von 50 Jahren sollte EM.ERA (Evidenzbasierte RisikoAnalyse) durchgeführt werden. Stellen Sie eine Sehveränderung im Amslertest fest, sollten Sie unverzüglich Ihren Augenarzt aufsuchen. Je früher AMD erkannt wird, umso größer sind die Chancen, ein Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen. Im AugenDiagnostikCenter (ADC) der Augenklinik am Marienplatz stehen alle neuesten technischen Geräte für die Früherkennung zur Verfügung.

DIAGNOSTIK MIT INNOVATIVEM LASER

Im AugenDiagnostikCenter (ADC München) der Augenklinik am Marienplatz stehen Ihnen und Ihrem Augenarzt folgende Geräte für die Diagnose einer AMD zur Verfügung.

Neue innovative hochauflösende Laser Fluoreszenz-Angiographie
Die konfokale Scanning Laser Ophthalmoskopie, welche nur wenige Institute anbieten, bietet klare detailgetreue Aufnahmen feinster Blutgefäße in Echtzeit. mithilfe eines Farbstoffs. Es wird ein Kontrastmittel in eine Armvene gespritzt, welches sich unter anderem in den Netzhautgefäßen sammelt. Der Arzt bringt das Kontrastmittel anschließend mit kurzwelligem, blauem Laser Licht zum Leuchten. So können die für die AMD typischen Ablagerungen auf der Netzhaut sichtbar gemacht werden.

EM.ERA (Evidenzbasierte Risikoanalyse ehemals FIN)
Diese derzeit neueste und wissenschaftlich hochwertigste Vorsorgeuntersuchung informiert über Veränderungen an der Makula, den Sehnerven, den Nervenfaserbündeln, Gefäßen und beurteilt diese anhand von dreidimensionalen Bildern. Als erste und einzige Klinik in München stellt die Augenklinik am Marienplatz diese Untersuchung den Patienten zur Verfügung.

Hochauflösendes Spectral-Domain Optical Coherence Tomography ( Spectralis OCT )
Dieses Non-Contact-Verfahren ist mit der Kernspintomographie vergleichbar. Es liefert dreidimensionale Schnittansichten der Netzhaut in extrem hoher Auflösung. Besonderer Vorteil dieser berührungslosen Messung ist die Abbildung von lebendem Gewebe sowie dass bei Folgemessungen immer derselbe gemessene Bereich gefunden wird. In Kombination mit der hochauflösenden Fluoreszenzangiographie stellen wir unseren Patienten die derzeit beste  verfügbare Netzhautdiagnostik zur Verfügung.

DIE MEDIKAMENTÖSE THERAPIE

Wird die AMD frühzeitig erkannt, kann eine bilanzierte Diät dazu beitragen, den Fortschritt der Krankheit zu stoppen.
In der „Age-Related Eye Disease Study“ (AREDS) wurden 4.700 Patienten mit unterschiedlichen Formen der AMD über sieben Jahre hinsichtlich der Wirkung einer hohen Dosis an Vitamin- und Spurenelement-Präparaten untersucht. Auf den Resultaten dieser Studie basiert die Zusammensetzung der modernen Arzneimittel, welche die entsprechende Menge an Nährstoffen zur Verfügung stellt, z.B.: Lutax AMD oder Visiocare.

INTRAVITREALE INJEKTIONEN - IVOM

Bei der feuchten Makuladegeneration ist der „vascular endothelial growth factor“ (VEGF) heute als einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren bekannt. Er ist für das Auswachsen neuer Gefäße und für eine Ödembildung verantwortlich. Daher wird versucht, den VEGF zu hemmen und so krankhafte neue Gefäße zu beseitigen.
Das Medikament muss direkt in den Glaskörperraum gespritzt werden. Bei manchen Methoden erfolgt die Injektion auch neben oder hinter dem Auge oder intravenös. In einem Abstand von sechs Wochen werden sie so lange wiederholt, bis die Membran inaktiv ist.

Derzeit werden weltweit dafür einzusetzende Hemmstoffe in klinischen Studien geprüft, u.a. an der Augenklinik am Marienplatz. Die folgenden VEGF-Hemmstoffe können auch in Kombination mit der Photodynamischen Therapie eingesetzt werden.

Macugen®
(zugelassen seit Februar 2006)
Macugen® mit dem Wirkstoff Pegaptanib ist ein so genanntes Aptamer. Dieses künstliche Molekül passt genau an den VEGF und verhindert dadurch seine Bindung an einen Rezeptor.
Pegaptanib wird direkt in den Glaskörperraum injiziert.
Die Therapie mit Pegaptanib hat ähnliche Erfolgsraten wie die Photodynamische Therapie. Zwar liegen noch keine Langzeiterkenntnisse vor, doch lassen die Zweijahresergebnisse auf eine effektive Behandlung von AMD schließen.

Lucentis®
(zugelassen seit Februar 2007)
Lucentis® mit dem Wirkstoff Ranibizumab ist ein Antikörper, der den VEGF bindet. So hemmt Ranibizumab die Produktion von neuen Blutgefäßen.
Ranibizumab wird direkt ins Auge injiziert.
Untersuchungen an 716 Patienten zeigten bei 95% nach einer monatlichen Injektion über den Zeitraum von einem Jahr einen Erfolg. Sie konnten danach besser sehen bzw. hatte sich ihr Zustand nicht weiter verschlechtert.

Ozurdex
Ozurdex ist ein Dexamethasonpräparat der Fa.Allergan.
Es wird in den Glaskörperraum gespritzt und dort über einen Zeitraum von etwa drei Monaten langsam freigesetzt.
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Triamcinolone effektiv ein Makulaödem hemmen kann. Die Behandlung wird derzeit mit der Photodynamischen Therapie kombiniert.

Avastin®
(„Off-Label Use“)
Avastin® mit dem Wirkstoff Bevacizumab ist ein Ani-VEGF-Medikament. Es hemmt das Wachstum der krankhaften Blutgefäße.
International wurden sehr positive Erfahrungen mit Avastin®, speziell in Kombination mit der Photodynamischen Therapie, gemacht. Die Rechtssprechung in Deutschland macht die Anwendung eines "off-label" Medikamentes dann unmöglich, wenn es ein zugelassenes Medikament für die spezielle Erkrankung gibt.

Eylea
(seit Dezember 2012 in unserer Augenklinik verfügbar.)
Der Wirkstoff Aflibercept unterdrückt die Aktivität einer Gruppe von Faktoren, die vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor A und Plazenta-wachstumsfaktor (PIGF) genannt werden. Es ist eine neue Therapie, wenn die bisherigen Behandlungen nicht erfolgreich waren.

DIE LASERTHERAPIE

Bis heute stehen nur für die feuchte AMD verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung, z.B. die Dioden-Laserbehandlung und die Photodynamische Therapie. Beide können langfristig den Verlauf der Krankheit verlangsamen.

Dioden-Laserbehandlung
Membranen, die nah am Zentrum, jedoch nicht genau unter der Stelle des schärfsten Sehens liegen, kann man mit einem speziellen Diodenlaser behandeln. Dies betrifft nur ca. 5% aller Patienten mit einer feuchten Makuladegeneration. Das Verfahren hinterlässt eine Narbe, die als schwarzer Fleck im Gesichtsfeld sichtbar wird. Es besteht ein leichtes Rückfallrisiko, weshalb engmaschige Kontrollen erforderlich sind.

Photodynamische Therapie (PDT)
Bei dieser Behandlung wird ein lichtempfindlicher Farbstoff, das so genannte Verteporfin, in den Blutkreislauf des Patienten gespritzt. In den krankhaften Blutgefäßen der feuchten Makuladegeneration reichert sich dieser Farbstoff an und wird durch anschließende Beleuchtung mit einem speziellen Laserlicht aktiviert. Dadurch verschließen sich ausschließlich die kranken Blutgefäße, ohne die umgebenden gesunden Netzhautschichten zu beeinträchtigen. Abhängig vom weiteren Verlauf der Erkrankung kann eine Wiederholung der Behandlung erforderlich sein.

DIE OPERATIVE THERAPIE

An der Augenklinik am Marienplatz wird das gesamte operative Spektrum der Netzhautchirurgie angeboten, das im Zusammenhang mit einer Erkrankung an AMD notwendig werden kann. Hierbei kommen ausschließlich die modernsten operativen Methoden zum Einsatz.

Membranextraktion
Durch die Entfernung der neuen Gefäße unter der Netzhaut können große Blutungen verhindert werden. Jedoch kommt es dadurch im Bereich der entfernten Gefäßmembran zu einem Defekt in den Pigmentzellen. Die Folge ist eine immer noch sehr schlechte zentrale Sehschärfe, die nicht zum Lesen reicht.
Der Versuch, neue Pigmentzellen unter die Netzhaut zu transplantieren, ist bislang daran gescheitert, dass diese keinen glatten „Zellrasen“ bilden, sondern sich in Klümpchen ablagern.

Makularotation
Bei der MARAN Studie der Universität Köln wird versucht, durch die Drehung der gesamten Netzhaut das Sehzentrum wieder auf einen Bereich mit intakten Pigmentzellen zu bringen. In vielen Fällen konnte dadurch die Sehschärfe stabilisiert und oft sogar die Lesefähigkeit wieder hergestellt werden. Dieses Verfahren ist nach heutigen Maßstäben der Mikrochirurgie beherrschbar, muss aber weiterhin strengen klinischen Prüfungen unterzogen werden.

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

Die Risiken bei einer operativen Behandlung der feuchten AMD sind vergleichsweise hoch:

  • Verlust der zentralen Sehschärfe
  • Blutung in das Auge
  • Blendempfindlichkeit
  • Entzündung oder Infektion des Auges
  • nachfolgende Ablösung der Netzhaut
  • Erhöhung des Augeninnendrucks
  • eventuelle Nachoperationen
  • Wiederauftreten der Membran
  • Flüssigkeitseinlagerung in die Netzhaut
  • störende Doppelbilder
  • Orientierungsschwierigkeiten
  • Erblindung des Auges
  • Verlust des Auges