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HORNHAUT-TRANSPLANTATION MIT DEM FEMTOSEKUNDENLASER; DALK und DMEK

Die Hornhaut – auch Cornea genannt – ist die äußere Begrenzung des Auges. Verliert die Hornhaut ihre Klarheit oder gleichmäßige Wölbung, kann die Umwelt nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden, da die Hornhaut bzw. Kornea ein wichtiger optischer Bestandteil des Auges ist. Das Sehvermögen kann dadurch teilweise so stark beeinträchtigt werden, dass das betroffene Auge nahezu erblindet.

Eine Transplantation ist dann oft die einzige Möglichkeit, das Sehvermögen wiederherzustellen. Bei der Operation wird die fehlerhafte Cornea entfernt und durch eine gesunde Hornhaut eines Spenders ersetzt.

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ANWENDUNGSGEBIETE

An der Augenklinik am Marienplatz werden die neuesten Techniken von Hornhaut Behandlung z.B. das UV Riboflavin Crosslinking Verfahren sowie die neuesten Operationsverfahren zur Hornhaut-Transplantationen mit dem Femtosekundenlaser durchgeführt. Nach dem heutigen Wissensstand und den erzielten Erfolgen können wir jedem Patienten mit einer erkrankten Hornhaut, die mit Medikamenten nicht erfolgreich zu behandeln ist, meist zu einer Behandlung oder zur Transplantation raten.
Derzeit werden folgende Transplantationen durchgeführt:

In Zusammenarbeit mit Hornhautbank MünchenAmnitrans Hornhautbank Rotterdam

Der Keratokonus und seine Stadien

 

Unter Keratokonus versteht man eine meist fortschreitende Erkrankung der Hornhaut, in deren Verlauf es zu einer Vorwölbung der Hornhaut kommt. Im Bereich der Vorwölbung kommt es zu einer Verdünnung der Hornhaut und im fortgeschrittenen Stadium zur Narbenbildung. Dadurch werden eine zunehmende Kurzsichtigkeit und ein unregelmäßiger Astigmatismus hervorgerufen.
Ursache dieser Hornhaut-Erkrankung ist vermutlich durch Vererbung und lokale Stoffwechselstörungen (Neurodermitis, Doping, Trisomie 21)

Es gibt verschiedene Stadien:

  1. Form Fruste Keratokonus: auch schlafender Keratokonus genannt. Er machte und macht uns bis heute diagnostisch einige Probleme ihn wirklich rechtzeitig zu erkennen. Er macht subjektiv keine Beschwerden, kann mit normalen optischen Hilfen korrigiert werden, und wird oft nur per Zufall entdeckt. Besonders vor Laseroperationen der Hornhaut oder Femto Lasik oder Mikrokeratom Lasik gilt es den Form Fruste Keratokonus auszuschliessen.  Am zuverlässigsten geht das heute mit der neuen Software (6/2008) der Pentacam HR.
  2. Keratektasie: diese Bezeichnung wird dann verwendet, wenn es sich um die progressive Form eines Form Fruste Keratokonus nach Augenlaserbehandlung  oder refraktiver Hornhaut Chirurgie handelt. Sie tritt meist tritt erst Jahre nach der Behandlung der Kurzsichtigkeit auf. Deshalb warnen ja viele deutsche Augenärzte vor der Augenlaserbehandlung im Ausland oder vor den billigen Behandlungen.
  3. Keratokonus: die progressive Form besteht in einer steten kegelförmigen Vorwölbung der Hornhaut, die wenn die Brillenkorrektur nicht mehr ausreichend ist, zunächst nur noch mit formstabilen Kontaktlinsen korrigiert werden kann. Hilft auch die Kontaktlinse nicht mehr war bisher nur die pKp=perforierende Keratoplastik möglich. Heute bietet sich neben der Hornhautvernetzung, dem crosslinking , auch die Behandlung mit Hornhautringen, und die tiefe vordere lamelläre Keratoplastik oder auch DALK=deep anterior lamellar keratoplasty genannt, an.

Keratokonus- Keratektasie: Therapieoptionen

UV Crosslinking Vernetzung
Neueste Therapie zur Verlangsamung oder Fortschreitens der Erkrankung ist die UV-Riboflavin- Crosslinking der Hornhaut (Quervernetzung durch UV-Licht und Vitamin B2), eine neuentwickelte Behandlungsmethode.
Die Diagnose wird meist in der zweiten bis dritten Lebensdekade gestellt.
Im Anfangsstadium kann eine Brille die beeinträchtigte Sehschärfe korrigieren. Im fortgeschrittenen Stadium ist dies nur noch mithilfe von harten Kontaktlinsen möglich.

Tiefe vordere lamelläre Keratoplastik
Können in stark fortgeschrittenen Stadien keine Kontaktlinsen mehr angepasst werden, kann eine Hornhaut-Transplantation oder ein Crosslinking der Hornhaut (Quervernetzung durch UV-Licht und Vitamin B2) durchgeführt werden. Oft gelingt operativ hier die tiefe vordere lamelläre Transplantation (deep anterior lamellar keratoplasty=DALK): grosser Vorteil dieser Methode ist, dass die innere wertvolle Zellschicht - das Endothel - des Patienten erhalten bleibt und nicht wie bei der perforierenden Transplantation ersetzt wird. Da besonders beim Keratokonus diese innere Zellschicht fast immer gesund ist , macht es sehr viel Sinn diese überaus wertvollen patienten eigenen Zellen zu erhalten. Deshalb sind Abstossungsreaktionen bei Gelingen dieser Op-Technik nahezu ausgeschlossen und zusätzlich ist die heilphase deutlich schneller als bei der perforierenden Transplantation.
Anlässlich einer live Operation im Januar 2007 an der Universitäts-Augenklinik Halle konnte Dr.Neuhann diese in Deutschland noch sehr wenig bekannte Operation vor zahlreichen Experten erfolgreich demonstrieren.

Vernarbung
Ist die Hornhaut nach einer schweren Verletzung oder einer (Herpes-) Entzündung vernarbt, kann die Sehstärke nur durch eine Operation wieder hergestellt werden.
Außerdem wird Hornhaut bei Patienten transplantiert, deren Cornea an einer angeborenen Erkrankung leidet oder sich altersbedingt verändert.

DIE HORNHAUT-SPENDE

In Deutschland erhalten jährlich ca. 4000 Menschen eine gespendete Hornhaut. Jedoch fehlen mindestens genauso viele Spenden, da nur wenige Menschen nach ihrem Tod dazu bereit sind. Viele wissen nicht, dass es vom 10. bis zum 85. Lebensjahr die Möglichkeit einer Hornhaut-Spende gibt. So können auch ältere Menschen noch zu Organspendern werden und einem anderen zur Wiedererlangung seiner Sehfähigkeit verhelfen.

Besonderheiten
Sind aufgrund einer Erkrankung Blutgefäße in die Hornhaut eingesprossen, muss die Spenderhornhaut sorgfältig analysiert werden. Sie wird so ausgesucht, dass sie in möglichst vielen Eigenschaften mit dem körpereigenen Gewebe des Empfängers übereinstimmt. Die Gefahr einer Abstoßung wird auf diese Weise minimiert. Die Koordination von Empfänger- und Spendereigenschaften übernimmt ein spezielles Labor in enger Zusammenarbeit mit der Augenklinik am Marienplatz.

Herkunft der Transplantate
Die Mehrzahl der Transplantate stammt aus Hornhautbanken in München oder aus dem Euro-Transplantationszentrum Leiden, Holland. Diese sichern die Qualität der Spenden und organisieren die individuelle Zuteilung der Transplantate an die Empfänger.
Im Brutschrank, in eine Nährlösung eingelegt, bleiben Hornhäute bis zu sechs Wochen am Leben. In dieser Zeit kann der Patient planmäßig in die Klinik bestellt und auf die Operation vorbereitet werden.

DER OPERATIONSABLAUF

     


 

 

Unter dem Operationsmikroskop wird mit dem Femtosekundenlaser das Transplantat  extrem schonend gewonnen. Anschließend wird die erkrankte Hornhaut des Patienten mit demselben Laser schmerzfrei und extrem schonend entfernt. Das entnommene Transplantat passt perfekt zu der Empfänger Hornhaut. Diese wird in die entstandene Öffnung eingelegt und mit feinsten Nähten und speziellem Nahtmaterial befestigt. 

Die menschliche Hand kann niemals die Passgenauigkeit eines Laserschnittes erreichen, weshalb wir ca. 100 Jahre nach der ersten Hornhauttransplantation diese Technik nahezu exklusiv durchführen. Ergebnisse und Heilung sind mit dieser neuen Technik schneller und besser.

NACH DER OP

Wenn vor der Operation das Auge nicht entzündet war, heilt die neue Hornhaut nach der Operation ohne Schmerzen ein.
Lag eine Entzündung vor, können nach der Operation noch Schmerzen bestehen. Diese können behandelt werden und klingen allmählich ab.

Die Operation kann ambulant durchgeführt werden, wenn eine entsprechende Nachversorgung und augenärztliche Kontrolle garantiert ist. Ansonsten empfehlen wir einige Tage in der Klinik zu bleiben. Anschließend kann ein niedergelassener Augenarzt die Nachsorge übernehmen.

In der Regel werden die Fäden nach neun bis zwölf Monaten gezogen. Da die zur Heilung notwendigen Substanzen nicht auf dem Blutweg herantransportiert werden, dauert der Heilungsprozess entsprechend lange.

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

Die Hornhaut-Transplantation ist eine der erfolgreichsten Formen von Organ- bzw. Gewebeverpflanzung beim Menschen. Grund dafür: Normalerweise versorgt das Blut das Gewebe mit Nährstoffen, aber auch mit Abwehrzellen. Die Hornhaut wird jedoch über die Tränenflüssigkeit ernährt. Dadurch kann das Transplantat nicht als „fremd“ erkannt und abgestoßen werden.
Bei unkomplizierter Ausgangslage – also wenn keine Entzündungen, Gefäßeinsprossungen in die Hornhaut usw. vorlagen – liegt die Erfolgsrate bei über 90%, in komplizierten Fällen bei ca. 60%.
Patienten haben also eine gute Chance, nach der Operation wieder zu sehen.

Sind Blutgefäße in die Hornhaut eingesprossen, besteht die Gefahr einer Abstoßung des Fremdgewebes. Dem wird aber durch eine sorgfältige Auswahl der Spender-Hornhaut so weit wie möglich vorgebeugt.